International Red Cross and Red Crescent Museum
SONDERAUSSTELLUNG
 
ZWEITER TEIL : DIE APOKALYPSE UND DER FILM

Photo V. Otth-N. Lieber, MICR

In Zeitungsartikel, in der Literatur, im Kino und im Fernsehen werden wir regelmässig mit Szenarien planetarer Katastrophen konfrontiert. Zu den allgegenwärtigen Bedrohungen gehören Klimaveränderungen, technologische Katastrophen, der Atomkrieg, bewaffnete Konflikte und ganze Kontinente ergreifende Kriege, ganz zu schweigen von der Bedrohung durch Asteroide und Meteoriten. Alle diese drohenden Katastrophen stellen das Überleben der Menschheit in Frage. Der zweite Teil der Ausstellung Apocalypse 01 regt die Besucher dazu an, sich über die aktuelle Bedeutung dieser apokalyptischen Prophetien Gedanken zu machen, die allgemein mit einem Weltuntergang in Zusammenhang mit unzähligen, von der Menschheit im Verlauf des 20. Jahrhunderts begangenen Verfehlungen verbunden werden. Sie konfrontiert die geläufige Auslegung mit den Visionen von Historikern und Anthropologen, von Astrophysikern und Psychologen, von Philosophen und Theologen...

"Apocalypse Now", Francis Ford Coppola, 1979.
Museum für Gestaltung,Plakatsammlung, Zurich.

"Le météore de la nuit"
[It Came From Outer Space], Jack Arnold, 1953.
Collection MICR.

Anhand einer Analyse von rund 50 Filmen hat das MICR ein Inventar der Zeichen und Szenarien der Apokalypse im Sciencefiction- und Katastrophenfilm zusammengestellt. Die fünf für die Ausstellung realisierten Videoclips erinnern in einer Mischung aus Humor und Ironie daran, dass sich dieses Film-Genre auf einen zeitgenössischen Apokalypse-Mythos stützt, der seine Referenzen einerseits aus dem Christentum, andererseits aus der Realität, mit der sich die Menschheit konfrontiert sieht, zieht. So beschwört etwa der Videoclip "Coupez tout immédiatement !" den Fall des Menschen herauf, der sich als Gott wähnt und die Herrschaft über die Wissenschaft verliert, und deckt die mit dem Industriezeitalter und den neuen Technologien verbundenen Entfremdungsängste auf. In den anderen Clips werden sowohl ökologische als auch atomare, kosmische und kriegsbedingte Bedrohungen angegangen, wobei die Apokalypse bald als totale Zerstörung der Menschheit dargestellt wird, im Sinne einer letzten Warnung, bald als eine Perspektive für einen Neubeginn, die neue Hoffnung auf eine strahlende Zukunft aufkommen lässt. In einer Endlos-Projektion steigen der neue Adam und die neue Eva unaufhörlich aus ihrem Schiff, um die regenerierte Welt zu entdecken, die sich vor ihnen ausbreitet...

Die elf Filmplakate, die an der Ausstellung als Originale gezeigt werden, zeugen von der Vielfalt und dem grossen Spektrum der apokalyptischen Filme. Zu sehen sind zum Beispiel ein dramatisches Plakat des kurz vor dem erneuten Kriegsausbruch in Europa entstandenen Films von Abel Gance "J'accuse" (1938), das beklemmende amerikanische Plakat des Sciencefictionfilms " The Day The Earth Stood Still " von Robert Wise (1951) und das Plakat, dass in Japan für den Kinostart von "Apocalypse Now" warb. Die ausgestellten Plakate stammen aus den Sammlungen des MICR, der Cinémathèque suisse (Lausanne), des Maison d'Ailleurs (Yverdon) und des Museums für Gestaltung (Zürich).

In einem letzten Raum wurde die kokette Wohnung eines Werbeinserats für eine Versicherung gegen Erdbebenschäden nachgebildet. Das Fernsehgerät des Wohnzimmers zeigt den Text "Ende", der Besucher ist mit seinen Ängsten und Phantasien konfrontiert: Verweist der Weltuntergang im Endeffekt vielleicht einfach auf die Perspektive seines eigenen Todes?






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