MAUERN TRENNEN
MENSCHEN
Vom 24.
September 2008 bis 25. Januar 2009
Geöffnet von 10 bis 17 Uhr, ausser Dienstags – Eintritt frei
Seit alters bauten Menschen Befestigungsanlagen, um sich gegen
«Barbaren» zu schützen. Auf der Grundlage von Generalstabskarten
eiskalt geplant und ausgeführt, veranschaulichen alle acht gegenwärtigen
Mauern geopolitische Trennlinien:
- die entmilitarisierte Zone zwischen Südkorea und Nordkorea;
- die Green Line als Waffenstillstandslinie, die Zypern teilt;
- die Peace Lines in Nordirland;
- die Berm, ein Sandwall, der von Norden nach Süden durch die
Westsahara läuft;
- die Sperranlage zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko;
- die Gitter der spanischen Enklaven Melilla und Ceuta in Marokko;
- die elektrische Eingrenzung auf der Demarkationslinie zwischen
Pakistan und Indien;
- die Sicherheits-/Trennmauer zwischen Israelis und Palästinensern.
Diese Sperranlagen werden in einem spezifisch auf das Buch «Mauern
trennen Menschen» von Alexandra Novosseloff und Frank Neisse bezogenen
Raum ausgestellt, den der Künstler Robert Ireland gestaltet hat.
Die Präsentation der Bilder, Fotografien und Zeugnisse wird so
eindrücklich dargestellt, dass sich der Besucher physisch angesprochen
fühlt.
Zwischen Schutz und Abtrennung
Kurzfristig bietet die Mauer Schutz und Sicherheit. Doch allein
kann sie ihre Wirkung nur ungenügend entfalten. Sie muss selber
bewacht werden. Sie schützt weniger, als sie trennt: Über den
Sicherheitsaspekt hinaus besteht ihr Zweck darin, eine Abtrennung
zwischen sich und dem Nachbarn oder Mitmenschen zu schaffen.
Zwischen Resignation und Umgehung
Zunächst wird die Absperrung als unüberwindbares Hindernis wahrgenommen.
Mit der Zeit werden Umgehungsstrategien entwickelt. Die Verbundenheit
mit dem anderen und der Traum einer besseren Welt oder Existenz
sind häufig stärker als der Gedanke an die Gefahren, denen man
sich aussetzt, um die Mauer zu überwinden.
«Der Versuch eine Mauer zu bauen ist nicht neu. Jedes Mal, wenn
es einer Kultur oder Zivilisation nicht gelang, an den anderen
zu denken, sich mit dem anderen zu identifizieren, sich mit dem
anderen auseinanderzusetzen, wurden solche Schutzanlagen aus Stein,
Eisen, Stacheldraht, Elektrogittern oder blindwütigen Ideologien
errichtet und stürzten wieder zusammen, um uns mit neuem Getöse
abermals zu behelligen.»
Edouard Glissant, Patrick Chamoiseau, Quand les murs tombent,
Editions Galaade, Paris 2007, S. 7-8.